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25. NOVEMBER 2017
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Bielefelder auf der Piste

Wintersport


Wintersport hat zurzeit Hochsaison. Nicht nur, weil vom 7. bis 23. Februar 2014 in Sotschi die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Auch Nicht-Olympioniken sind mit Begeisterung auf der Piste oder dem Eis unterwegs. Und zwar durchaus ambitioniert. Der BIELEFELDER stellt sie vor.

Lars Steinsiek
Ein Brett fürs Glück


Einer, der sich darüber freut, dass in diesem Jahr bei den olympischen Winterspielen die traditionellen alpinen Bereiche aufgebrochen werden, ist Lars Steinsiek. Erstmals sind Skicross, Slopestyle Ski und Snowboard sowie ein Snowboard-Spezialparallelslalom für Frauen und Männer in den Kanon olympischer Disziplinen aufgenommen. „Ski Abfahrtsrennen sind natürlich spektakulär, aber ich gucke auch gern Snowboard beziehungsweise Ski Cross – am liebsten vier gegen vier“, sagt Lars Steinsiek.

Snowborad statt Ski

Der Bielefelder steht seit seinem fünften Lebensjahr auf Skiern, mit zwanzig hatte er das erste Mal ein Snowboard unter den Füßen. „Dass ich zum Snowboarden gekommen bin, ist eher dem Zufall geschuldet“, erzählt der 41-Jährige. Er begleitete damals im Rahmen seines Sportstudiums an der Uni Paderborn als Teamer einen Ski- und Snowboardkurs und hatte unerwartet die Chance, das Snowboarden auszuprobieren. Er blieb dabei. Tauschte Ski gegen Snowboard, absolvierte seine DSV-Ausbildung als Snowboard Instructor und gibt bis heute – inzwischen für die Uni Bielefeld – Tipps, Tricks, aber vor allem auch seine Begeisterung fürs Snowboarden weiter. „Allerdings nur noch einmal im Jahr und ich fahre inzwischen auch wieder Ski“, erklärt Lars Steinsiek mit einem Lachen. Mit der Uni Bielefeld ist der Sportbegeisterte, der neben Kite Surfen auch skatet – und sich beruflich als Spezialist für Speed- und Nordic-Skating-Rollen vor vierzehn Jahren selbständig gemacht hat – im Februar im schweizerischen Davos. Privat zieht es ihn mit seiner Frau und den sechs und vier Jahre alten Kindern dagegen in kleine, übersichtliche Familienskigebiete.

Genuss im Tiefschnee

Am Snowboarden reizt Lars Steinsiek am meisten das Tiefschneefahren. „Das ist Genuss pur!“, schwärmt er. „Und als es noch keine Carving Skier gab, konnte man nur mit dem Snowboard komplett auf der Kante fahren“, erzählt Lars Steinsiek. Geschnittene Schwünge und damit eine extreme Kurvenlage waren mit Skiern einfach nicht möglich. Dass Snowboarden im Trend liegt, ist seiner Ansicht nach nachvollziehbar. „Es ist ein Fun Sport. Allerdings sollte man, bevor man im Fun Parc in einer Half Pipe Sprünge übt, die Grundlagen beherrschen und sicher in beide Richtungen fahren“, so sein Rat. Auch Falltechniken und damit das richtige Abrollen sind für den ambitionierten Sportler wesentlich.
Sicherheit ist für den 41-Jährigen nicht erst seit dem Unfall von Michael Schumacher ein Thema. „Helm ist Pflicht, mit Rückenpanzer und Schulterschutz fahre ich seit acht Jahren“, unterstreicht der 41-Jährige mit Blick auf das Risiko nachhaltige Schäden nach einem Sturz davon zu tragen. „Meinen ersten Helm habe ich mir übrigens schon ganz früh gekauft. Und zwar nach einem Sturz, der zwar glimpflich ablief, mir aber deutlich gemacht hat, was für ein Risiko ich eingehe.“ Da es keine Auswahl für Erwachsene gab, kaufte Lars Steinsiek damals den größten Kinderhelm, den es gab. Blau mit Stars und Stripes. Auch das ist unvergessen.

Rainer Berger
Bobfahren – die Formel 1 des Wintersports


Für die Bobfahrer ist momentan Hochsaison. Weltcup-Rennen und natürlich zum Abschluss der Saison die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Mit dabei ist die erfolgreichste deutsche Bob-Pilotin: Sandra Kiriasis. Trainiert wird sie in Nürnberg von einem gebürtigen Bielefelder. Rainer Berger kümmert sich um die Athletik, verbessert Sprint- und Sprungkraft. „Mit Schnelligkeit kenne ich mich gut aus“, lacht der ehemalige Leichtathlet, der seine Sportkarriere beim SV Fichte begann. Der 49-Jährige war mehrfach Westfalenmeister und 1994 Westdeutscher Meister über 200 Meter in der Halle. „Daran kann ich mich gut erinnern. Dass ich überhaupt starten konnte, habe ich dem Bielefelder Physiotherapeuten Axel Berg zu verdanken. Ich war vorher verletzt und er hat es geschafft, mich binnen zwei Wochen fit zu machen.“ Seine Bestzeit über 100 Meter – 10,5 Sekunden – lief er zu Bielefelder Zeiten.

Historisches im Eiskanal

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Leichtathleten dem Bobsport zuwenden. „Besonders Zehnkämpfer, aber auch Sprinter sind gefragt. Schon beim Anschieben wird die entscheidende Geschwindigkeit auf den Weg gebracht, die sich nach unten raus vervielfacht. Wichtig dabei ist das Körpergewicht. Für das Bobfahren war ich eigentlich immer zu leicht“, erinnert sich Rainer Berger, der zwei Weltcuprennen für Deutschland im Eiskanal bestritt. Den Fall der Mauer erlebte er zusammen mit dem zweimaligen Bob-Olympiasieger und mehrfachen Deutschen, Europa- und Weltmeister Olaf Hampel, der ebenfalls aus Bielefeld stammt, bei einem Rennen in Altenberg in der DDR. „Als wir hinfuhren wurden wir an der Grenze noch streng kontrolliert, fünf Tage später war diese offen. Unglaublich.“ 1988 saß der damals 24-Jährige erstmals in einem Bob. „Olaf Hampel, den ich von der Leichtathletik kannte, hatte Kontakte nach Winterberg und hat mich mitgenommen. Die Geschwindigkeit und auch welche Kräfte in einem Bob auf den Körper wirken, hat mich gleich fasziniert.“ Ein Jahr später kam überraschend ein Anruf, ob er bei einem Qualifikationsrennen anschieben könnte. Rainer Berger konnte – und zwar mit einem Startrekord im Vierer-Bob. Im November saß er mit Olaf Hampel im Auto und fuhr ins Erzgebirge – der Rest ist Geschichte.

In Sotschi ist alles möglich

In Bielefeld und Paderborn studierte Rainer Berger Sportwissenschaft und schrieb seine Diplomarbeit über den wirtschaftlichen Faktor der Seidenstickerhalle. Aus beruflichen Gründen zog es ihn 1995 in den Süden der Republik. Als Projektmanager bei adidas bekleidete er die Schnittstelle zwischen Produkt und Athlet, betreute weltweit die Größen der Leichtathletik, wie z. B. Haile Gebrselassie, Donovan Bailey, Heike Henkel oder Frank Busemann. Heute arbeitet er als Gesundheitsexperte, Teamtrainer und Dozent in seiner eigenen Agentur „aktives Wohlfühlen“ in Nürnberg, wo er Sandra Kiriasis kennenlernte. Für die Olympischen Spiele ist Rainer Berger zuversichtlich: „Sandra hat bereits in Sotschi die Premiere gewonnen. Die Bahn liegt ihr. Wenn sie ihr Material im Griff hat, gesund bleibt, und einen guten Tag erwischt, ist alles drin.“

Peter Derksen
Dem Puck hinterher


Die deutsche Eishockey-Mannschaft ist bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi nicht dabei. „Sie haben ihre Qualifikation leider mit einem 3:2 gegen Österreich verspielt“, bedauert Peter Derksen. Er hofft, dass möglichst viele Eishockey-Begegnungen der Olympischen Winterspiele übertragen werden. „Schweden, Kanada und Russland haben die Chance ganz vorn mitzuspielen“, sagt der 47-Jährige. Er kennt sich aus mit dem weißen Sport, bei dem der Puck gejagt wird.
Schließlich verbringt er seit seinem sechsten Lebensjahr den Großteil seiner Freizeit auf dem Eis. „Übrigens ein optimales Alter, um mit Eishockey zu beginnen“, wie er findet. Aber natürlich auch der Tatsache geschuldet, weil dort, wo er aufwuchs, optimale Wintersportbedingungen herrschen. Schließlich sind in Archangelsk am Weißen Meer – im Norden des europäischen Teils Russlands – die Winter lang und streng, die Sommer aber nur kurz. Also schnallte sich Peter Derksen schon als Kind von Oktober bis April Schlittschuhe unter die Füße und spielte auch bei minus 20 Grad auf Natureis Eishockey.

Schnell und körperbetont

„Ich hätte mich alternativ auch für Ski-Langlauf entscheiden können“, sagt er. Fasziniert hat ihn aber schon damals, dass Eishockey nicht nur ein schneller, sondern auch ein Mannschaftssport ist. „Und ich war immer an der frischen Luft“, fügt er schmunzelnd hinzu. „Der Trainer hat aufgepasst, dass unsere Nasen und Wangen mit Vaseline eingeschmiert waren, um Erfrierungen zu verhindern.“
Zimperlich darf man nicht sein. „Eishockey ist ein körperbetonter Sport“, gibt Peter Derksen zu. Zweimal hat er sich seine Nase gebrochen, zwei Zähne sind ebenfalls dem Sport geopfert. „Das gehört zur Spielerkarriere“, resümiert er. „Heute spielt man aber besser geschützt.“ Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind gut gepolstert und mit Vollgitter und Visier bis zur Nase auf dem Eis unterwegs.

Ambitioniert und leidenschaftlich

Heute – mit inzwischen 47 Jahren – spielt Peter Derksen als Verteidiger noch in der ersten Herren-Mannschaft der Sportvereinigung Brackwede e.V., trainiert dort seit fünf Jahren den Eishockey-Nachwuchs. „Das sind aktuell die Jahrgänge `98 und `99“, so der Eishockey-Begeisterte, der als Co-Trainer noch zwei weitere Mannschaften auf der Oetker Eisbahn betreut. Mit seiner Mannschaft möchte er in diesem Jahr in die NRW-Liga aufsteigen. „Wir sind auf Platz eins der Landesliga und wollen gerne Meister werden“, erklärt er.
Seine Leidenschaft für Eishockey kennt kaum Grenzen. Selbst im Sommer begleitet ihn das sanfte Gleiten der Kufen übers Eis. Seinen Jahresurlaub nutzt er, um in der Eishockey-Schule von Helmut de Raaf in Bad Tölz als Betreuer und Trainer mit Kindern aus ganz Deutschland zu arbeiten. Seine Frau, die er – wie sollte es anders sein – in der Eishalle kennengelernt hat, teilt seine Begeisterung für den Wintersport. Sie ist zeitgleich mit der 14-jährigen Tochter in Garmisch. In einem Trainingscamp für Eiskunstlauf. „Sommerurlaub am Meer brauchen wir nicht“, sagt Peter Derksen lachend.






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