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22. SEPTEMBER 2018
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Bielefelder Begegnungen

Pflege, eine Herzenssache


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Familie Weihkopf
Pflege zu Hause

„Die Treppen sind der Knackpunkt“, stellt Rudolf Weihkopf fest. Anfang letzten Jahres wurde bei seiner Frau Christel Demenz diagnostiziert. Dass er die Pflege seiner Frau übernimmt, war für den heute 89-Jährigen eine Selbstverständlichkeit. Die Weihkopfs sind im 63. Jahr verheiratet. Unterstützung bekommt er von seinen drei erwachsenen Kindern, die in Berlin, bei Frankfurt und im Ruhrgebiet leben. Anfang Juli verbrachte das Ehepaar einen Urlaub am Fehmarnsund in Großenbrode in einer Einrichtung der AWO, die Entlastung und Erholung für Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen bietet. „Das war sehr schön“, sagt Rudolf Weihkopf, „da hatte ich auch mal frei und meine Frau wurde gut betreut.“ Allerdings fiel Christel Weihkopf dort das Laufen immer schwerer. „Eigentlich war es gut, dass die Verschlimmerung an der Ostsee passierte“, erzählt Tochter Barbara Schmidt, „denn so konnte meine Mutter schon in der Einrichtung ausprobieren, wie sie mit Rollstuhl und Rollator klarkam.“

Wo gibt es Hilfe?
Zurück in Bielefeld standen die Weihkopfs dann vor einem Riesenproblem, denn ihre Wohnung befindet sich im ersten Stock. „Die Situation hatte sich nun komplett verändert und wir mussten Knall auf Fall gucken, woher wir Hilfe bekommen konnten. Eine Art S.O.S-Listen, wen man als Erstes ansprechen könnte, das wäre super gewesen“, so Barbara Schmidt. Hilfsmittel wie Toilettenstuhl kannten sie aus der Einrichtung in Großenbrode. Für die Treppe jedoch gibt es keine einfache Lösung. „Für jeden Arztbesuch braucht man nun Hilfe“, so Rudolf Weihkopf, denn seine Frau muss von den Fahrern des Krankentransports die Treppe rauf- und wieder runtergetragen werden. Rudolf Weihkopf steht jeden Morgen gegen 7 Uhr auf und hilft seiner Frau beim Aufstehen und Waschen, wenn sie schon wach ist, bevor der Pflegedienst montags bis freitags vormittags kommt. Nachts hilft er seiner Frau zwei bis drei Mal auf die Toilette. Er ist rund um die Uhr für sie da.

Familiennetzwerk
Die Pflege ist auch körperlich anstrengend. Rudolf Weihkopf ist froh über Tricks der Pflegekräfte, wie er seiner Frau aus dem Bett helfen kann, ohne sich selbst den Rücken zu zerren. Die drei Geschwister haben die Aufgaben verteilt. Der Bruder ist selbst Arzt und übernimmt den medizinischen Part, die älteste Schwester kümmert sich um das Organisatorische und Barbara Schmidt, die jede Woche für zwei Tage aus dem Ruhrgebiet kommt, um alles andere. „Meine Frau an der Front“, nennt das ihr Vater lachend. Rudolf Weihkopf war als kaufmännischer Leiter im Vertrieb beruflich viel unterwegs. „Von Haushalt hatte ich keine Ahnung, das war immer der Bereich meiner Frau“, sagt er. Jetzt geht der 89-Jährige einkaufen, kocht, wäscht und kümmert sich um die tausend Kleinigkeiten des Alltags. Einmal im Monat geht er zu den Treffen der Alzheimergesellschaft. Aber nur für eine halbe Stunde, die er mit Hilfe der Nachbarn überbrückt. Er möchte seine Frau nicht so lange allein lassen. Dort ist er fast immer der einzige Mann. Das Leben spielt sich ganz in der Wohnung ab. Gerne würde er ab und zu eine Auszeit, z. B. im Chor, genießen. „In unserem Alter wird der Freundeskreis kleiner, deshalb freuen wir uns immer über Besuch.“




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