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20. JANUAR 2018
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Identität

art/science-Festival Bielefeld


Wissenschaft und Kunst nähern sich vom 17.-19.1. einem komplexen Begriff, der aktuell viel diskutiert wird. Drei Tage in der Kunsthalle stehen ganz im Zeichen der „Identität“. Wir stellen WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen vor, die sich dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln nähern. Das art/science-Festival ist Teil des Kooperationsprojektes „Identität“, an dem sich Hochschulen und Kultureinrichtungen der Region im Wintersemester beteiligen.

Festivalprogramm: www.uni-bielefeld.de/kultur/identitaet


Dr. Florian Muhle

Ich bin viele
Wer bin ich? Wer bist du? „Aus soziologischer Perspektive sind diese Fragen nicht eindeutig zu beantworten, da es in der sozialen Welt nicht nur eine Identität gibt“, erklärt Florian Muhle, Mediensoziologe an der Universität Bielefeld. „Zuhause bin ich Familienmitglied, im Verein Fußballer, je nachdem, in welchem sozialen Kontext ich mich bewege. Man kann also sagen: Ich bin viele. Um dies zu beschreiben, wird in der Soziologie der Begriff der sozialen Rolle verwendet, der besagt, dass wir in verschiedenen sozialen Situationen ganz unterschiedliche Rollen annehmen, die in diesen Zusammenhängen von uns erwartet werden.“
Vielleicht hat gerade deswegen die Suche nach Identität und einem damit verbundenem Kern in der modernen Gesellschaft für viele Menschen auch so eine große Bedeutung. „Das Internet, so wie es sich in den 1990er Jahren verbreitet hat, unterstützte jedenfalls diese Suche“, so der Mediensoziologe, der beim art/science-Festival einen Vortrag über „Fluch und Segen der Anonymität im Netz“ hält.

Das zweite Leben
In den 1990ern und 2000ern dominierten Chats und virtuelle Welten, in denen sich Menschen mittels Nicknames maskieren konnten. „Bei Second Life beispielsweise agierten die Nutzer durch Avatare in einer virtuellen Welt. Fragen nach dem echten Leben waren ausdrücklich nicht erwünscht. Anonymität im Netz kann entsprechend ein Segen sein, denn sie bietet zunächst Freiheit und Schutz“, so Florian Muhle. „Man kann sich so geben, wie man sein möchte, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.“ Das ist für Menschen auf Identitätssuche, aber auch mit Blick auf Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung natürlich ein Segen. Allerdings haben Anonymität und Freiheit auch ihre Kehrseiten, wenn man an Hass-Kommentare oder Cyber-Mobbing insbesondere bei Jugendlichen denkt. „Hieraus aber Forderungen nach einem Verbot der Anonymität abzuleiten, wäre meiner Meinung nach falsch. Denn zum einen stellt anonyme Äußerung ein Grundrecht dar und zum anderen birgt die Offenlegung von Userdaten natürlich auch Problempotential.“

Mehr Öffentlichkeit
So fordern heutige Soziale Medien die User geradezu massiv dazu auf, möglichst viel von sich preiszugeben. „Man wird permanent dazu aufgefordert, sich selbst zu thematisieren und Facebook fordert umfangreiche Profilinformationen ein, wie zum Beispiel zum Geschlecht, Beziehungsstatus, Ausbildungsstätte etc. Dahinter steckt ein Geschäftsmodell, das die Daten der Internetuser zur Ware macht. Auf der Vorderbühne ist Facebook Kommunikationsmittel, auf der Hinterbühne erzeugen die Daten Werbe- und Konsumprofile. Geht es nur um personalisierte Werbung, ist das noch harmlos. Aber auch potenzielle Arbeitgeber oder staatliche Behörden versuchen auf Facebook-Profile zuzugreifen. Das kann für den Nutzer Konsequenzen haben.“ Insgesamt ist durch Facebook das Leben der User öffentlicher geworden, denn man präsentiert sich eben nicht nur im Freundeskreis, sondern auch gegenüber Dritten. Fest steht: „Das Netz ist nicht per se Segen oder Fluch, sondern ein höchst ambivalentes Phänomen, das eben oftmals beides zugleich ist.“

18.1., 19.30 Uhr, Vortragssaal der Kunsthalle




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