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20. SEPTEMBER 2018
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Bielefelder Begegnungen

Pflege, eine Herzenssache


Wie steht es um die Pflege? Das ist eine Frage, die viele bewegt und heiß diskutiert wird. Von Angehörigen, Pflegekräften oder Betroffenen. Die Aktionswoche für pflegende Angehörige ist für uns der Anlass nachzufragen, wie die Situation in Bielefeld aussieht. Unterschiedliche Blickwinkel auf ein komplexes Thema.




Klaus Puschmann
Auf Kosten der Pflegenden
Der Mangel an Pflegekräften ist kein neues Problem. Bereits in den 1990ern gab es zum Teil nicht ausreichend Personal. Daran kann sich Klaus Puschmann, hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Sozialarbeit (GfS), gut erinnern. „Ich habe meinen Zivildienst in einem Altenheim absolviert. Zusammen mit einem anderen Zivi-Kollegen war es nicht zu schaffen, alle Bewohner der Station zum Frühstück aus dem Bett zu holen, vorher zu waschen und anzukleiden. Manchmal war es Mittag, bis wir alle versorgt hatten.“ Für ihn ist der eigentliche Skandal bei der Diskussion um die Pflege, dass der Altruismus der Pflegenden vom Staat ausgenutzt wird. „Unsere Mitarbeiter sind hoch motiviert und betreuen unsere Klienten mit sehr viel Engagement. Das höre ich auch aus Kollegenkreisen. Und genau diese Menschen halten bei geringer Bezahlung und Wertschätzung das Gesundheitssystem am Laufen.“

Ausbildung vergüten
Ein erster Schritt zur Erhöhung der Attraktivität der Pflegeberufe wäre die Vergütung der Ausbildung. In den meisten gewerblichen Berufen erhält der Azubi gleich im ersten Lehrjahr Geld. Auszubildende in Pflegeberufen müssen ihre Ausbildung teils selbst bezahlen. Seit 35 Jahren kümmert sich die GfS mit ihren rund 1.000 Mitarbeitenden schwerpunktmäßig um Menschen in sozialen Notlagen. „Wir haben einen sozialpädagogischen Schwerpunkt. Zu unseren Klienten zählen auch ehemals Wohnungslose oder Menschen mit einer Suchterkrankung, die nun alt sind und neben der Pflege Unterstützung bei der Haushaltsführung oder bei der Organisation ihrer medizinischen Versorgung brauchen. Keiner von ihnen wäre in der Lage, diese Leistungen selbst zu bezahlen.“ Weil es zu wenige Pflegekräfte gibt, ist der Krankenstand gerade im Bereich Pflege hoch. „Wer krank ist, muss selbstverständlich zu Hause bleiben. Die Krux ist, dass die Kollegen den Ausfall auffangen und dann das Risiko hoch ist, nach der zusätzlichen Belastung selbst zu erkranken.“

Kostendruck
Die Finanzierung von Pflege ist komplex und die Leistungserbringer haben mit der Bürokratie zu kämpfen. „Wir kümmern uns um Menschen und nehmen uns die Zeit, die jeder verdient hat. Das ist für uns finanziell gesehen ein Nachteil, weil viele Leistungen erbracht, aber nicht bezahlt werden.“ Kosten wie Fahr- oder Rüstzeit sind zum Beispiel Gegenstand der Diskussion. Es wird genau festgelegt, wie lange eine ambulante Pflegekraft brauchen darf, um morgens ihr Fahrzeug mit den benötigten Medikamenten zu bestücken. Was darüber hinausgeht, wird nicht bezahlt. Für Klaus Puschmann ist es ein unhaltbarer Zustand, die Mitarbeiter nicht angemessen entlohnen zu können. „Gerade wird in der politischen Diskussion gefordert, dass eine Pflegefachkraft 3.000 Euro verdienen sollte. Je nach Berufsjahren und Zeitzuschlägen wird schon jetzt dieses Niveau in etwa erreicht. Anders sieht es bei den Pflegehelfern aus. Hier schaffen wir als Arbeitgeber selbst prekäre Verhältnisse. Es kann nicht sein, dass unsere ehemaligen Mitarbeiter unsere Klienten von morgen sind.“




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