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18. JULI 2018
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Vermeiden, verbrennen, verwerten

Bielefeld und sein Müll


Am besten ist immer der Müll, der gar nicht erst entsteht. Doch in Sachen Müllvermeidung ist Bielefeld im Vergleich zu anderen Städten nur Mittelmaß. Ein Weg in die richtige Richtung: reflektieren und reduzieren. Wir stellen BielefelderInnen vor, die den Müllberg abbauen wollen. Aber auch der unvermeidliche Rest lässt sich sinnvoll nutzen.


Bettina Willner
Ein Leben ohne Plastik?
Allein 130 Einwegbecher to-go gehen statistisch gesehen pro Kopf und Jahr auf das Konto jedes Deutschen. Doch auch Wegwerfprodukte wie Tragetaschen, Einweggeschirr für Snacks-to-go oder mehrfach verpackte Lebensmittel lassen den Berg an Plastikmüll wachsen. „Wir sind zwar Weltmeister im Mülltrennen, aber was die Menge an Verpackungsmüll angeht, sind wir traurige Spitzenreiter“, stellt Bettina Willner fest. Plastik ist dabei ein besonders großes Problem. Denn es gelangt häufig durch falsche Entsorgung in die Natur und belastet schon heute die Meere, weil es sich nicht zersetzt. Es wird nur kleiner.

Kunststoff nicht verteufeln
Um den Bergen an Plastikmüll Herr zu werden, ist es für die Umweltberaterin der Verbraucherzentrale NRW in Bielefeld entscheidend, dass jeder Einzelnen etwas gegen die Plastikflut unternimmt. „Ich bin nicht per se gegen Kunststoff, es ist ein sinnvoller Rohstoff. Doch solange die Erdölpreise so niedrig sind, dass sich das Recycling nicht lohnt, ist es auch für Hersteller uninteressant, umzudenken“, unterstreicht die 39-Jährige mit Blick auf die 18 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen, die im letzten Jahr in Deutschland angefallen sind. Weltweit werden heute mehr als 335 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Von der Tragetasche über Spielzeug bis zur Zahnbürste. Ein erster Schritt aus der Plastikfalle ist es, den eigenen Konsum zu reflektieren und zu reduzieren.

Ökologischer Fußabdruck
„Leitungswasser zu trinken, hinterlässt beispielsweise einen kleineren ökologischen Fußabdruck als Wasser in Plastikflaschen zu kaufen“, so die Bielefelderin. Da Bielefeld „Refill-Stadt“ ist, können BielefelderInnen sogar unterwegs ihre mitgebrachten Flaschen kostenfrei mit Leitungswasser auffüllen. Der Refill-Aufkleber weist den Weg in die teilnehmenden Läden. Auch Obst und Gemüse lose im Supermarkt, Bio-Laden oder auf dem Markt einzukaufen, ist – ebenso wie Unverpackt Läden – eine Alternative gegen den Kunststoffverpackungswahn. Das Bewusstsein auf Plastik zu verzichten, wächst aus Sicht der Umweltberaterin. „Inzwischen nehmen die meisten zum Einkaufen ja auch Beutel mit.“ Mehrweg statt Einweg lautet für viele Verbraucher außerdem die Lösung beim Einkauf. „Solange Papier und Glas allerdings als Einwegverpackungen genutzt werden, lösen diese auch nicht das Problem der Verpackungsflut“, betont die 39-Jährige, die Biologie und Umweltwissenschaften an der Uni Bielefeld studiert hat. Die sogenannten Agro-Kunststoffe sind ebenfalls eine zwiespältige Alternative, da sie mit Flächen, auf denen sonst Nahrungsmittel angebaut würden, in Konkurrenz stehen.
Nicht immer ist der Einsatz von Kunststoffen in Produkten offensichtlich. Mikroplastik versteckt sich in vielen Kosmetikprodukten, aber auch in Kleidung. Zertifizierte Naturkosmetik zu kaufen, ist eine Lösung, ebenso wie der vermehrte Griff zu Naturfasern. „Beim Waschen von Synthetikfasern, beispielsweise von Fleecejacken und anderer Outdoorkleidung, gelangt Mikroplastik nämlich über das Abwasser in Flüsse und Meere“, so die Umweltberaterin, die darauf hoff, dass sich beim Einkaufen so etwas wie Ökoroutine einstellt. „Wichtig ist es aber auch als Verbraucher hartnäckig zu bleiben und Alternativen zu fordern.“

www.verbraucherzentrale.nrw/plastik

Ausstellung: „Einfach machen! Ideen für nachhaltigen Konsum“, VHS Ravensberger Park, noch bis zum 13.7.
Vortrag: Ökoroutine – Erlöst die Konsumenten, Dr. Michael Kopatz, VHS Ravensberger Park, 5.7., 19.30 Uhr
Bielefeld gegen Plastik: refill-deutschland.de/bielefeld/




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