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23. JULI 2017
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Arbeitsplatz open Air

Bielefelder Jobs im Grünen


Sie sind draußen bei Wind und Wetter. Bringen Leidenschaft mit für die Natur. Und ganz klar, ein Bürojob käme für sie nicht in Frage. Wir stellen zwei Bielefelderinnen und einen Bielefelder vor, deren Arbeitsplatz open Air alles andere als alltäglich ist.



Anja Schneider
Baumkontrolleurin

Noch kennt sie nicht jeden Baum in Bielefeld, aber im Laufe der Jahre wird es sicherlich dazu kommen. Zusammen mit sechs Kollegen vom Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld kontrolliert Anja Schneider die 93.9981 Bäume im Zuständigkeitsbereich der Grünunterhaltung. Jeden Morgen schwingt sie sich auf ihr Dienstfahrrad und macht sich auf in ihr Revier. Zu ihrer Ausrüstung gehören neben Sonde, Schonhammer und Markierungsspray auch ein Toughpad – ein äußerst robustes Touchpad –, in dem alle Bäume bzw. Baumgruppen in ihrer lateinischen Bezeichnung verzeichnet sind. Jeder einzelne Baum wird in Augenschein genommen: Höhe, Stamm- und Kronendurchmesser geschätzt und die Daten sorgfältig in den kleinen Computer eingegeben. Um die Sicherheit im Verkehr – zum Beispiel auf Landstraßen – gewährleisten zu können, darf die lichte Höhe eines Baumes 4 Meter nicht unterschreiten, damit die Lkw noch darunter hindurchpassen. Bei Gehwegen sind es 2,50 Meter.

Safety first
Im Anschluss prüft die 41-Jährige, ob der Baum Totholz enthält, Wurzelverletzungen hat oder von Pilzen befallen ist. Je nachdem, wo der Baum steht, können tote Äste in der Krone unter Umständen die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern oder Spaziergängern gefährden. Dann besteht Handlungsbedarf. „Wir versuchen erst mal alles, um den Baum zu retten“, berichtet die Baumkontrolleurin. „Wir können beispielsweise Gewicht aus der Krone herausnehmen oder diese mit Gurten sichern. Besonders bei alten Bäumen tut es mir leid, wenn diese gefällt werden müssen, aber die Sicherheit geht vor.“

Anja Schneider ist bei Wind und Wetter draußen. „Nur wenn so viel Schnee liegt, dass man die Äste nicht mehr erkennen kann, sind wir nicht unterwegs“, lacht sie. Die Arbeit an der frischen Luft macht ihr Spaß. „Nur im Büro sitzen, das wäre nichts für mich.“ Besonders nach Stürmen oder wenn der Schnee für die Bäume zur Last wird, haben die Kontrolleure der Stadt alle Hände voll zu tun. Um zertifizierter Baumkontrolleur zu werden, muss man zuvor eine Ausbildung absolviert und mindestens drei Jahre als Landschaftsgärtner gearbeitet haben.

Kuriose Natur
Auch Bäume haben einen individuellen Touch. „In Brackwede steht ein Ahorn, bei dem die eine Hälfte der Krone belaubt ist und die andere nicht ein einziges Blatt trägt. Und keiner weiß, warum das so ist“, freut sich Anja Schneider über das Kuriosum. Bei Pilzbefall ist es übrigens gar nicht so einfach, den Schaden bestimmen zu können, um abschätzen zu können, ob der Baum standsicher ist. „Wir können keine Probe entnehmen, denn wenn wir den Baum beschädigen, öffnen wir Erregern Tür und Tor.“ Dann ist ein Spezialist gefragt, der dem Baum einen Gürtel umlegt und mittels Ultraschall den Pilz bestimmen kann. Die Baumkontrolleurin schätzt an ihrer Arbeit, dass sie sich die Zeit frei einteilen kann und Verantwortung übernimmt. Anja Schneider sieht jeden Baum übrigens im Abstand von sechs Monaten zwei Mal: einmal mit und einmal ohne Laub – und dann bekommt sie ein neues Revier. „Sonst wird man betriebsblind“, sagt sie lachend.



Andreas Eisenbarth
Schäfer

Kontrastreich heben sich die Knöpfe von seiner schwarzen Schäferweste ab. Die 36 großen Knöpfe stehen für die Weidewochen, die wenigen kleinen Knöpfe – 12 an der Zahl – blitzen versteckt unter der Kapuze seines Sweatshirts hervor und symbolisieren die Wochen im Stall. „Kurz vor Weihnachten geht’s rein, Mitte April – abhängig vom Wetter – mit den ersten Schafen wieder raus“, erklärt Andreas Eisenbarth, der auf Coburger Fuchsschafe setzt. Eine alte Landschaftsrasse, die noch vor wenigen Jahren auf der roten Liste stand.

Tierwirt Fachrichtung Schaf lautet die offizielle Berufsbezeichnung des gebürtigen Saarländers. „Ich bin ein Spätberufener“, sagt der 58-Jährige mit einem verschmitzten Lachen. Als er vierzig war, entschied er sich für die Ausbildung zum Schäfer in Bethel. „Ich komme vom Land, habe schon früh beim Bauern nebenan geholfen, bin aber erst Autoschlosser geworden.“ Mit 19 Jahren zog es ihn dann – ganz Kind der 1970er Jahre – erst einmal für zwei Jahre nach Indien. Heute ist die Schäferei seine Profession. Eine, die er mit Leib und Seele ausfüllt.

Botschafter für den Naturschutz
250 Hektar gilt es zu bewirtschaften. 1.000 Schafe und 400 Lämmer groß ist die Herde, für die er verantwortlich ist. „Die Arbeit draußen mit den Tieren hat ihren eigenen Reiz“, so Andreas Eisenbarth. Er ist keiner, der drinnen sein muss und will. „Allerdings“, räumt er ein, „heißt das auch bei jedem Wind und Wetter draußen zu arbeiten.“ Regen und Kälte inklusive. Angesprochen wird er jedoch meist bei Sonnenschein entlang des Lämmerwegs. Der Wanderweg folgt den Weideflächen der Schafherde. Dann wird aus dem Schäfer ein Botschafter für den Naturschutz. „Dort, wo die Schafe weiden, wächst wieder Heide, die durch intensive Landwirtschaft verdrängt wurde. Dadurch finden zum Beispiel auch Eidechsen und Heuschrecken wieder einen Lebensraum“, betont Andreas Eisenbarth, dessen Border Collies Emmy und Mimmy immer an seiner Seite sind.

Alle Schäfchen im Trockenen
Egal ob zufällige oder gezielte Begegnung – als Teil Bethels öffnet Andreas Eisenbarth die Schäferei regelmäßig für Jugendliche mit Integrationsschwierigkeiten und Gruppen aus Kitas oder Grundschulklassen – der 58-Jährige schätzt die vielfältigen Aspekte seines Berufs. Vom Hütern über die Pflege der Schafe bis hin zur Zusammenarbeit mit Gruppen oder den biologischen Stationen. Und natürlich ist auch die Digitalisierung in der Schäferei Bethel längst angekommen. Einen Nachmittag pro Woche verbringt Andreas Eisenbarth im Büro vor dem Rechner. Der Weg zurück in den Stall ist zum Glück kurz. Der liegt quasi hinter dem Wohnzimmer. Keine zwei Minuten braucht er von seiner Dienstwohnung.

„Das ist gerade in der Lammzeit kurz nach Weihnachten wichtig, um bei den Geburten schnell an Ort und Stelle zu sein. Eine Zeit, in der er schnell auf einen zwölf Stunden Tag kommt. „Das hat nichts mit einer romantisch verklärten Vorstellung vom Schäferleben zu tun“, stellt er fest. „Man sollte ausgeträumt haben, wenn man Schäfer werden will.“ Für Andreas Eisenbarth ist es jedoch der perfekte Beruf. „Ich war auf dem Aussteigertrip und bin als Schäfer mehr eingestiegen als ich je gedacht hätte.“



Sabine Pörschke
Gärtnerin

Mehr als 3.000 verschiedene Pflanzenarten wachsen im Botanischen Garten. Fast alle kann sie beim Namen nennen. „Und ich weiß auch genau, wo sie stehen“, lacht Sabine Pörschke. Fragt man sie, wie denn diese rotblühende Staude oder jene Schönheit in Lila heißt, kommt die Antwort ohne Zögern. Seit über 20 Jahren arbeitet die Bielefelderin im Botanischen Garten und kennt das Terrain wie ihre Westentasche. Als Gärtnerin mit Leib und Seele kann sie sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen. „Ich lieben meinen Beruf“, unterstreicht die 54-Jährige, „ein Bürojob wäre nichts für mich.“ Die Freude am Pflanzen, Jäten, Graben und Draußen sein ist so groß, dass ihr Beruf zugleich ihr Hobby ist. Nach der Arbeit widmet sich Sabine Pörschke am liebsten ihrem eigenen großen Garten.

Blühende Vielfalt
Erste Anzeichen für ihren grünen Daumen entdeckte sie bei einem Praktikum während der Schulzeit. „Ich wollte immer etwas Kreatives machen, meine Favoriten waren Dekorateurin oder Floristin. Als echtes Schilsker Mädchen bin ich dann in einem Blumenladen in Schildesche gelandet und das hat mir gut gefallen.“ Sie blieb dem Metier treu und begann 1979 eine Ausbildung im Blumen- und Zierpflanzenbau in der damaligen Stadtgärtnerei am Sennefriedhof. „Heute bildet die Stadt nur noch Landschaftsgärtner aus“, bedauert Sabine Pörschke. Mit dem Botanischen Garten hat sie einen ausgesprochen abwechslungsreichen Arbeitsplatz gefunden. Während in vielen kommerziellen Gärtnereien oft nur eine Pflanzenart kultiviert wird, hat sie es mit Alpinum und Azaleen, Heidegarten und Buchenwaldflora zu tun.

Ihr liebster Bereich ist der Kräutergarten. Sie schätzt die Heilwirkung der Pflanzen und weiß, welches Kraut wogegen gewachsen ist.

Positive Resonanz
Neben der Anzucht und Pflege der Pflanzen teilt sie als Vorarbeiterin und stellvertretende Leiterin auch die Arbeit der Kollegen ein. „Wenn das Wetter ganz schlecht ist, kann ich die Büroarbeiten erledigen“, verrät die Gärtnerin mit einem Augenzwinkern. Außerdem bietet sie regelmäßig thematische Führungen an. Überhaupt macht auch der Kontakt zu den Besuchern den Reiz ihrer Arbeit aus. „Wir bekommen viele positive Rückmeldungen“, freut sich Sabine Pörschke. Oft sogar dann, wenn sie mit kritischem Gärtnerblick sieht, wo gerade wieder das Unkraut sprießt. „Aber der Gesamteindruck zählt“, so ihre Erfahrung. Und damit der stimmt, gibt es immer mal wieder große und kleine Veränderungen. Von der alljährlich neu gestalteten Sommerbepflanzung bis zu trendigen Akzenten wie der Gummibärchenpflanze im Duftbeet.

Doch der größte Wandel steht in den nächsten Jahren an, wenn der Botanische Garten erweitert wird. „Demnächst werden der Bachlauf und der Teich ausgebaggert und bis Ende 2018 sollen erste Veränderungen sichtbar sein.“ Auch wenn es letztlich der Umweltbetrieb ist, der über die Gestaltung des neuen Terrains entscheidet, hätte Sabine Pörschke so einige Ideen. „Schön fände ich einen nordamerikanischen Bereich mit Farnen oder Schattenstauden. Dieses Spiel mit dem Licht könnte ich mir sehr gut vorstellen.“





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