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21. OKTOBER 2017
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Kunst im Blick

Bielefelds Aufpasser


Zwischen „Wo ist die Garderobe?“ und „Funktioniert der Webstuhl noch?“ gibt es viele Fragen. Museumsaufsichten sind viel mehr als menschliche Alarmanlagen. Immer ansprechbar, haben sie die Ausstellungsobjekte ebenso im Blick wie die Besucher.



Kunsthalle Bielefeld
Anja Stetzelberg

Was will der Künstler uns damit sagen? Mit dieser Frage kommen die Besucherinnen und Besucher besonders häufig auf sie zu. Kunsthistorisch kann ihnen Anja Stetzelberg dann zwar nicht weiterhelfen, aber als erfahrene Aufsichtskraft der Kunsthalle hat sie trotzdem eine gute Antwort parat. „Ich rate ihnen dann immer, einfach hinzuschauen und das Kunstwerk in Ruhe auf sich wirken zu lassen. So wie bei einer Blume im Garten. Da fragt auch niemand: Was will uns der liebe Gott damit sagen?“ Seit die gelernte Bekleidungstechnikerin 2007 als Ein-Euro-Kraft in der Kunsthalle anfing – seit sechs Jahren ist sie jetzt fest angestellt – hat sie viele Ausstellungen erlebt. Auch sie selbst findet nicht immer gleich einen Zugang. „Natürlich gefallen mir manche Werke besser als andere“, so die 54-Jährige, „aber es kommt darauf an, sich auf Sachen einzulassen.“

Genau hingeschaut

Ihr Lieblingsstück in der aktuellen Ausstellung von Ulrich Rückriem hat sie dagegen sofort angesprochen. „Granit (Schwedisch Schwarz) 1985 geschnitten, gespalten, geschliffen und poliert“ steht auf dem erklärenden Schild. „Der Stein hat viel mit meinem eigenen Leben, meinen Gefühlen und Sehnsüchten zu tun. Er passt einfach zu mir“, sagt Anja Stetzelberg. Wenn sie begeistert von ihrem Lieblingsstück schwärmt, wird klar: Sie hat ganz genau hingeschaut. „Der Stein ist sehr ästhetisch. Er hat eine unglaublich schöne Form und von matt bis hochglänzend viele Facetten von Grau und Schwarz. Durch die drei Löcher ist er zudem im weitesten Sinne verletzt. Und ganz aus der Nähe betrachtet sieht man feine Schnittspuren, das finde ich spannend.“

Nur gucken, nicht anfassen

Gerade bei diesem ausdrucksstarken Granit wird deutlich, was zu den wichtigsten Aufgaben der Aufsichtskräfte gehört. Am liebsten möchte nämlich jeder den Stein berühren, das Kunstwerk im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. „Menschen fassen Dinge gerne an, das ist eine ganz normale Regung“, weiß Anja Stetzelberg. „Sie möchten die Kunstwerke gar nicht bewusst beschädigen oder gar zerstören, sondern es sind kleine Unachtsamkeiten.“ Ihr Job ist es dann zu erklären, dass die Werke schon durch Berühren Schaden nehmen zu können. Nicht immer sind die Besucher einsichtig. „Viele fühlen sich dann ertappt oder reagieren empört. Keiner mag Kritik.“ Dabei müssten Besucher nur die Hausordnung lesen, um zu wissen, dass in der Kunsthalle gilt: Nur gucken, nicht anfassen. „Aber ich habe das Gefühl, dass kaum jemand die Hausordnung kennt“, lacht die sympathische Wahl-Bielefelderin.
Dennoch macht ihr gerade der Umgang mit Menschen aller Altersgruppen Spaß. An ihrer Arbeit schätzt sie außerdem die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen, die Atmosphäre der Kunsthalle und die wechselnden Ausstellungen. „Ständig Kunst um mich zu haben, ist eine ganz tolle Sache. Schon meine Eltern waren sehr an Kunst und Kultur interessiert. Die Liebe zu Museen begleitet mich mein Leben lang.“



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