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17. JULI 2018
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Vermeiden, verbrennen, verwerten

Bielefeld und sein Müll


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Ulrike Bollrath
Fernwärme & Strom aus Abfall
Hier brennt ein Feuer, das fast nie erlischt. 24 Stunden – jeden Tag. Eine beeindruckende Technologie und 107 Mitarbeiter sorgen in der MVA Bielefeld dafür, dass aus Haus- und Gewerbemüll Fernwärme und Strom werden. Ulrike Bollrath kennt in der weitläufigen Anlage fast jede Schraube. Seit 2008 ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und erklärt Besuchern den Weg vom Abfall zu Strom und Fernwärme. Ihre öffentlichen Führungen sind heiß begehrt, erst ab 2019 sind wieder Plätze frei.
Apropos heiß: Betritt man das Kesselhaus, spürt man einen deutlichen Temperaturunterschied. Kein Wunder: In den drei Brennkammern herrschen Temperaturen von bis zu 1.200 Grad. Diese werden permanent per Monitor in der Schaltwarte überwacht, um die Hitzeverteilung in den Kesseln zu steuern.

Aus Müll wird Energie
Aber von Anfang an: Als Erstes werden die Müllfahrzeuge gewogen. 2016 wurden 383.000 Tonnen Abfall angeliefert. Der Müll aus der grauen Tonne – Wertstoffe aus der gelben Tonne, Glas, Papier und Bioabfall gehören in den Recyclingkreislauf und nicht in die MVA – wird kontrolliert, abgekippt und im Bunker mit zwei riesigen Greifern von oben gut durchmischt, um einen einheitlichen Heizwert zu erhalten. Anschließend wird der Abfall in die Kessel eingefüllt. An den Wochentagen ist immer mehr Müll im Bunker, als verbrannt wird. So sind an den Wochenenden genug Reserven da, damit die Anlage rund um die Uhr läuft. Im Kessel wird durch die hohe Verbrennungstemperatur heißer Dampf produziert und über die Turbine – die bundesweit eine der größten in einer MVA ist – und den Fernwärmetauscher geleitet. So entsteht Strom und Fernwärme.
Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden in einer 8-stufigen Rauchgasreinigungsanlage so gut gereinigt, dass die strengen Emissionsrichtwerte des Gesetzgebers im Schnitt um 99 Prozent unterschritten werden. „Damit gehört die MVA zu den saubersten Anlagen in Deutschland.“ Die Emissionen werden vor Austritt durch den Schornstein permanent gemessen und an die zuständige Aufsichtsbehörde übermittelt. Auf der Website der Interargem können die Werte eingesehen werden.

Verwertbarkeit: 100 Prozent
Der Müll wird zu 100 Prozent in Fernwärme und Strom verwandelt und in das Netz der Stadtwerke eingespeist, deren Betriebsgelände vom Dach der MVA zu sehen ist – wie auch der Hermann in Detmold. Durchschnittlich werden 59.000 Haushalte mit elektrischer Energie und 25.000 Haushalte mit Wärme versorgt. Rückstände wie Schlacke werden u. a. für den Straßenbau als Schotterersatz bzw. Salze und Stäube als Stabilisierung von nicht mehr genutzten Salzstollen verwendet.
Und die MVA ist – was man kaum vermutet – ein Paradies für die seltenen Wanderfalken. Seit 2006 sind 23 Vögel auf dem Dach in eigens von Auszubildenden und dem Wanderfalkenschutz des NABUs installiertem Brutkasten aufgewachsen. „Gerade sind wieder zwei Mädels und ein Junge geschlüpft“, freut sich Ulrike Bollrath. „Diese konnte ich bei einer meiner letzten Führungen bei ihren ersten Flugversuchen beobachten.“




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