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24. JANUAR 2019
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Bielefelder planen neu

Alles auf Anfang


Seite 2 von 3 Seiten

Sofia* und Beatrice Tappmeier
Ein Weg aus der Gewalt
Es ist ein Neuanfang, in den sie all ihre Hoffnungen legt. Die letzten neun Monate verbrachte Sofia mit ihren beiden Kindern im Bielefelder Frauenhaus. Der Schritt in eine eigene Wohnung ist für die 31-Jährige und ihre fünf und sieben Jahre alten Kinder der Weg zurück in die Normalität. Zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Und für die zweifache Mutter die Befreiung aus einer Ehe, in der sie massive Gewalt durch ihren Mann erlebt hat. So, wie jede dritte Frau in Deutschland.
Sofia – die ausgebildete Erzieherin kam vor fast zehn Jahren nach Deutschland und spricht außer ihrer Muttersprache fließend englisch und deutsch – hat vor sechs Jahren ihren deutschen Ehemann geheiratet. Nicht ahnend, wie sich ihr Mann verändern würde. „Er hat mich zunehmend kontrolliert, mich und mein Umfeld manipuliert“, erzählt Sofia von einem Familienleben, das durch massiven psychischen Druck geprägt zu sozialer Isolation führte. Besuch war nicht erwünscht, die Kinder durften keine Freunde einladen und selbst den Kontakt zu ihrer Schwester steuerte ihr Mann. „Wenn ich gehe, nehme ich meinen Kindern den ‚heilen‘ Familienverbund“, beschreibt sie anfängliche Bedenken aus der Beziehung zu flüchten. Doch irgendwann überwog die Angst, dass ihre Kinder und sie noch mehr Schaden nehmen könnten. Mit Hilfe professioneller Unterstützung plante sie extrem vorsichtig den Ausbruch aus ihrem alten Leben. Suchte Zuflucht und fand im Frauenhaus Bielefeld e. V. einen geschützten Ort. Dort traf sie auf Beatrice Tappmeier, die seit 28 Jahren Gewaltopfer betreut.

Das Leben organisieren
Der Start ins neue Leben hält so manche Herausforderung für die dreiköpfige Familie bereit. Die mühsame Suche nach bezahlbarem Wohnraum mit Wohnberechtigungsschein ist nur eine von vielen. „Manche Frauen suchen bis zu einem Jahr“, erklärt Sofia. Sie selbst hatte Glück. „Nicht nur mit der Wohnung, auch Kita und Schule befinden sich in der Nähe, so dass sich unser Alltag gut organisieren lässt.“
Für den Aufbruch in ihr neues Leben war und ist sie auf Unterstützung angewiesen. Denn, wie alle Frauen, die im Frauenhaus Zuflucht suchen, kam sie mit nichts dort an. „Beim Umzug in eine eigene Wohnung erhalten die Frauen deshalb vom Sozialamt eine Eingliederungshilfe“, so Beatrice Tappmeier. „Die Frauen müssen aber gut rechnen, sehr sparsam sein und sich auf das Allernotwendigste beschränken.“ Sie hofft, dass die aufstockende Hilfe von 20 auf 30 Stunden zur Begleitung beim Auszug künftig im Leistungsvertrag festgeschrieben wird. „Das wäre für uns eine Riesenentlastung“, sagt Beatrice Tappmeier.

Hürden meistern
Der neue Lebensabschnitt ist in keinerlei Hinsicht hürdenfrei. „Mein Noch-Ehemann agiert nach wie vor im Hintergrund und versucht vieles zu ver- und zu behindern“, erzählt Sofia, die ihm das gesetzlich zustehende Umgangsrecht für seine Kinder gewähren muss. Ein Balanceakt. „Ich muss immer wieder Sachverhalte richtig stellen ohne die Kinder zu belasten“, erklärt die 31-Jährige. Auch emotional ein anstrengender Spagat. Doch die Freude überwiegt. „Die Kinder haben neue Freunde gefunden und zum ersten Mal dürfen sie mit ihnen Geburtstag feiern“, freut sich die zweifache Mutter. Auch ihre Zukunft hat sie bereits im Blick: „Ich würde gern als Sozialarbeiterin arbeiten und mich entsprechend fort- und ausbilden.“

*(Name von der Redaktion geändert)




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